LOBEN
Mal ganz ehrlich – Loben Sie noch? Ich meine so richtig, mit allem drum und dran. So wie „Hast du sehr gut gemacht“ oder „Das hätte ich so nicht hinbekommen. Ich bin wirklich stolz auf dich“. Oder sind Sie nicht eher auch der Meinung, dass Loben eigentlich nicht mehr in und cool ist? Schließlich könnte das Gegenüber ja meinen, es wäre etwas Besseres und vielleicht sogar auf den Gedanken kommen, dass ich, nämlich der Lobende, es nicht so gut gekonnt hätte.
Im Schwabenland wurde schon vor vielen Jahren entschieden, das Loben nach und nach abzuschaffen. Wurde früher noch gesagt: „wirklich gut“ oder „genial“, so haben wir doch unsere Begeisterung in Worten in den letzten Jahren absichtlich abgeschwächt. Das Wort „gut“ sollte zum Beispiel gar nicht mehr vorkommen, sondern wir sagen: „Das war nicht ganz schlecht“ – denn „Nicht ganz schlecht“ geht tendenziell mehr Richtung schlecht als Richtung gut.
Oder wenn wir zum Essen eingeladen sind ist der Ausspruch „Man hat es essen können“ die noch zulässige Höchstvariante vor „Der Hunger hat’s hinuntergetrieben“ (im Schwäbischen: „naatrieba“).
Im beruflichen Umfeld wurde bei uns im Schwabenland festgestellt, dass es gar keinen Sinn macht, zu loben. Schließlich werden die Leute ja dafür bezahlt, dass sie etwas tun. Es ist doch genug, dass man Geld verschwendet, muss man da nun auch noch Zeit verschwenden, um einem Mitarbeiter klar zu machen, dass er etwas gut gemacht hat? Sollten Sie jetzt noch nicht endgültig davon überzeugt sein, das Loben abzuschaffen, habe ich nun das endgültige No-go-Argument: „Mich lobt doch auch keiner! Warum soll ich es dann tun?“. Na, sind Sie endlich überzeugt?
Wenn wir ehrlich sind und tief in uns hinein hören, vermissen wir doch oftmals das Lob und die Anerkennung für das, was wir tun. Wir haben uns für eine Sache eingesetzt und hätten gerne ein Feedback unseres Gegenübers, oder nicht? Loben verändert. Loben verändert den Gelobten. Er weiß, dass seine Arbeit, seine Mühe, seine Gedanken sich gelohnt haben. Er weiß, dass sein Tun wertgeschätzt wird. Und er wird Selbstsicherheit gewinnen bei seiner nächsten Aufgabe, weil er weiß, er kann es. Loben verändert aber auch den Lobenden. Als Lobender halte ich an, komme zur Ruhe und feiere einen Erfolg, dadurch, dass etwas gut gelungen ist.
Ich werde daher nun auch nicht sagen, Sie sollten endlich mal mehr loben, sondern vielen, vielen Dank, dass Sie mit Ihrem Loben die Welt ein Stück weit verändern, ein Stück weit farbiger, fröhlicher und schöner machen. Danke, dass Sie durch ihr Loben ihrem Gegenüber ein Lächeln entlocken. Sie verändern! Sie sind genial.
Ihr Markus Grupp


